„Am liebsten würde ich alle rausschmeißen. Schuld ist anscheinend das Team.“
Diesen oder ähnliche Sätze hören wir in der Beratung immer wieder. Mitarbeitende denken nicht mit, Aufgaben werden nicht zuverlässig erledigt, Absprachen werden vergessen und jeder scheint nur das zu tun, was ihm gerade passt.
Die Folge: Der Chef ist genervt, die Stimmung wird schlechter und irgendwann steht die Frage im Raum, ob man sich von einzelnen Mitarbeitenden trennen sollte.
Doch bevor wir über Kündigungen sprechen, möchte ich eine andere Frage stellen.
Wer ist eigentlich für dieses Team verantwortlich?
Wer sorgt dafür, dass das Team funktioniert?
Wer ist dafür verantwortlich, dass die richtigen Menschen zusammenarbeiten? Wer sorgt für klare Prozesse, eindeutige Zuständigkeiten und verbindliche Absprachen? Wer lebt eine wertschätzende Kommunikation vor, etabliert eine konstruktive Feedbackkultur und schafft die Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende ihre Leistung erbringen können?
Wer fördert Menschen, fordert Leistung ein, spricht Konflikte an und sorgt dafür, dass sich das Team gemeinsam weiterentwickelt?
Natürlich tragen Mitarbeitende Verantwortung für ihr Verhalten, ihre Ergebnisse und die Einhaltung gemeinsamer Vereinbarungen. Führungskräfte müssen nicht jedes Fehlverhalten erklären oder jedes Problem persönlich lösen.
Aber die Verantwortung dafür, dass es im Unternehmen eine funktionierende Führungsstruktur gibt, lässt sich nicht einfach an das Team abschieben.
Führung bedeutet, Verantwortung für die Voraussetzungen erfolgreicher Zusammenarbeit zu übernehmen.
Dazu gehört auch, die eigene Führungsarbeit zu hinterfragen. Nicht, um sich für jedes Problem selbst verantwortlich zu machen, sondern um herauszufinden, wo wir tatsächlich etwas verändern können.
„Ich kann mich nicht um alles und jeden kümmern“
Dieser Satz ist mir durchaus vertraut.
Und er ist nicht falsch.
Gerade in mittelständischen Unternehmen sind Geschäftsführer häufig stark eingebunden. Sie betreuen wichtige Kunden, kümmern sich um die Finanzen, akquirieren neue Aufträge, planen die Zukunft und müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass das Tagesgeschäft läuft.
Da bleibt für die intensive Führung jedes einzelnen Mitarbeitenden oft wenig Zeit.
Doch daraus ergibt sich eine entscheidende Frage: Wenn du dich nicht selbst um alles kümmern kannst, wer übernimmt dann die Verantwortung?
Die Tatsache, dass du eine Aufgabe nicht persönlich erledigen kannst, bedeutet nicht, dass diese Aufgabe unerledigt bleiben darf.
Wenn du nicht genügend Zeit für die Führung deines Teams hast, brauchst du vielleicht eine Führungskraft, die diese Aufgabe übernimmt. Wenn wichtige Prozesse niemandem zugeordnet sind, müssen Verantwortlichkeiten geklärt werden. Wenn notwendige Fähigkeiten fehlen, müssen Menschen entwickelt oder externe Experten hinzugezogen werden.
Du musst nicht alles selbst machen.
Aber du musst dafür sorgen, dass die wichtigen Dinge zuverlässig erledigt werden.
Und genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung vieler Unternehmer.
Wie viele Hüte trägst du als Geschäftsführer?
Schauen wir uns einmal an, welche unterschiedlichen Rollen in einem mittelständischen Unternehmen zusammenkommen.
Als Geschäftsführer bist du vielleicht gleichzeitig:
- Strategieexperte: Du entwickelst die Richtung und die Ziele des Unternehmens.
- Marketingverantwortlicher: Du sorgst dafür, dass dein Unternehmen sichtbar bleibt und neue Kunden erreicht.
- Vertriebsmitarbeiter: Du gewinnst Aufträge und pflegst wichtige Kundenbeziehungen.
- Personalverantwortlicher: Du kümmerst dich um Mitarbeitergewinnung, Auswahl und Einarbeitung.
- Finanzverantwortlicher: Du kontrollierst Kosten, Liquidität, Umsatz und Rentabilität.
- Organisator: Du planst Abläufe, verteilst Aufgaben und sorgst für klare Zuständigkeiten.
- Digitalisierungsbeauftragter: Du entscheidest über Software, Automatisierung und den Einsatz von KI.
- Qualitätsverantwortlicher: Du prüfst Ergebnisse, löst Probleme und verbesserst Leistungen.
- Führungskraft: Du entwickelst Menschen, führst Mitarbeitergespräche, klärst Konflikte und förderst die Zusammenarbeit.
- Operativer Problemlöser: Du springst überall dort ein, wo etwas nicht funktioniert oder jemand eine Entscheidung von dir benötigt.
Und das sind längst nicht alle Aufgaben, die im Alltag dazukommen können.
Kunden haben Fragen. Ein Mitarbeiter fällt aus. Ein wichtiger Auftrag muss kurzfristig bearbeitet werden. Die Bank benötigt Unterlagen. Ein neuer Bewerber möchte sprechen. Gleichzeitig wartet eine strategische Entscheidung, die du bereits zweimal verschoben hast.
Du wechselst von einer Rolle in die nächste. Morgens beschäftigst du dich mit der Mitarbeitergewinnung, danach mit einem Kundenproblem, anschließend mit den Finanzen und am Nachmittag mit einem Konflikt im Team.
Und zwischendurch sollst du auch noch strategisch denken.
Das Problem ist nicht, dass du zu wenig arbeitest. Das Problem kann sein, dass zu viele Aufgaben gleichzeitig deine Aufmerksamkeit beanspruchen.
Überall beschäftigt, aber nirgendwo wirklich wirksam?
Jede dieser Rollen stellt andere Anforderungen an dich.
Marketing braucht strategisches Denken und Kontinuität. Mitarbeitergewinnung erfordert Aufmerksamkeit und Zeit. Finanzielle Steuerung verlangt einen klaren Blick auf Zahlen und Entwicklungen. Gute Führung braucht Gespräche, Reflexion und persönliche Präsenz.
Wenn du permanent zwischen diesen Aufgaben wechselst, fehlt häufig die notwendige Tiefe.
Du beginnst etwas, wirst unterbrochen, kümmerst dich um das nächste Thema und kehrst später wieder zur ursprünglichen Aufgabe zurück.
So entsteht leicht das Gefühl, überall mitarbeiten zu müssen, ohne wirklich voranzukommen.
Du machst von allem ein bisschen, aber möglicherweise nichts davon richtig gut.
Das ist keine Frage mangelnden Engagements. Im Gegenteil. Viele Unternehmer arbeiten ausgesprochen viel. Doch hoher persönlicher Einsatz ist nicht automatisch gleichbedeutend mit hoher Wirksamkeit.
Vielleicht wird das Marketing nebenbei erledigt, obwohl eine klare Strategie notwendig wäre. Vielleicht findet Mitarbeitergewinnung erst dann statt, wenn bereits jemand fehlt. Vielleicht werden Mitarbeitergespräche verschoben, weil andere Aufgaben dringender erscheinen. Und vielleicht werden Prozesse erst dann überarbeitet, wenn das nächste Problem entsteht.
Das Unternehmen ist ständig in Bewegung. Doch nicht jede Bewegung führt zu Fortschritt.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie viele Aufgaben du selbst erledigst. Sie lautet, welche Ergebnisse du mit deiner verfügbaren Zeit tatsächlich erreichst.
Vielleicht liegt die Lösung nicht darin, noch mehr zu arbeiten. Vielleicht liegt sie darin, nicht mehr alles selbst machen zu wollen.
Nicht jeder Hut muss auf deinem Kopf bleiben
Ein Unternehmen kann nicht dauerhaft davon abhängig sein, dass die Geschäftsführung in jedem Bereich persönlich mitarbeitet und jede Entscheidung selbst trifft.
Natürlich gibt es Aufgaben, die zwingend in der Verantwortung der Geschäftsführung bleiben. Dazu gehören insbesondere die übergeordnete Unternehmenssteuerung und Entscheidungen, die nicht delegiert werden können.
Aber viele andere Aufgaben lassen sich sinnvoll übertragen.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgaben erfordern tatsächlich deine persönliche Mitarbeit und welche benötigen lediglich eine klare Verantwortlichkeit?
Vielleicht kann eine geeignete Mitarbeiterin die Verantwortung für die Personalgewinnung übernehmen. Vielleicht braucht es eine Führungskraft, die sich um die Entwicklung des Teams kümmert. Vielleicht können Prozesse so gestaltet werden, dass Entscheidungen im Tagesgeschäft nicht jedes Mal bei dir landen.
Das setzt voraus, dass Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt sind und die betreffenden Personen über die notwendigen Fähigkeiten, Ressourcen und Entscheidungsspielräume verfügen.
Delegation bedeutet nicht, Aufgaben einfach weiterzugeben und sich anschließend nicht mehr darum zu kümmern. Sie bedeutet, Verantwortung bewusst zu übertragen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen andere diese Verantwortung wahrnehmen können.
Dabei gibt es vier Möglichkeiten:
Selbst übernehmen: Wenn eine Aufgabe zu deiner Rolle gehört und deine persönliche Beteiligung sinnvoll ist.
Verantwortung übertragen: Wenn jemand im Unternehmen die Aufgabe übernehmen kann und dafür die notwendigen Befugnisse erhält.
Kompetenzen entwickeln: Wenn Mitarbeitende die Aufgabe grundsätzlich übernehmen könnten, ihnen aber noch Erfahrung oder Fähigkeiten fehlen.
Externe Unterstützung nutzen: Wenn Wissen, Erfahrung oder Kapazitäten intern nicht vorhanden sind. Das kann beispielsweise durch Beratung, Training oder Coaching geschehen.
Du musst nicht jeden Hut selbst tragen. Aber du musst dafür sorgen, dass keiner der wichtigen Hüte dauerhaft unbeachtet bleibt.
Und wer kümmert sich dann um das Team?
Kehren wir zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Du hast festgestellt, dass deine Mitarbeitenden nicht so zusammenarbeiten, wie du es dir vorstellst. Aufgaben bleiben liegen, Konflikte wiederholen sich und die Verlässlichkeit lässt zu wünschen übrig.
Jetzt hast du erkannt, dass du selbst zu viele Rollen gleichzeitig ausfüllst.
Was bedeutet das für dein Team?
Zunächst einmal solltest du prüfen, welche Voraussetzungen für gute Zusammenarbeit geschaffen wurden.
Sind die Aufgaben und Erwartungen klar? Wissen alle, wofür sie verantwortlich sind? Funktionieren die Prozesse? Werden Informationen zuverlässig weitergegeben? Gibt es regelmäßige Feedbackgespräche? Werden Konflikte angesprochen, bevor sie eskalieren?
Und vor allem: Ist geklärt, wer diese Themen im Unternehmen verantwortet?
Vielleicht liegt es an fehlenden Strukturen. Vielleicht braucht es eine Führungskraft, die mehr Verantwortung übernimmt. Vielleicht fehlen Kompetenzen, die gezielt entwickelt werden müssen. Oder vielleicht gibt es tatsächlich Mitarbeitende, die trotz klarer Erwartungen und angemessener Unterstützung dauerhaft nicht bereit oder in der Lage sind, ihren Aufgaben gerecht zu werden.
Auch das muss angesprochen werden.
Es geht nicht darum, die Verantwortung immer bei der Führung zu suchen. Es geht darum, die tatsächliche Ursache zu erkennen, statt vorschnell das gesamte Team zum Problem zu erklären.
Bevor du Menschen austauschst, solltest du prüfen, ob die Organisation, in der sie arbeiten, erfolgreiches Arbeiten überhaupt ermöglicht.
Was braucht dein Unternehmen wirklich?
Genau an dieser Stelle beginnt systematische Unternehmensentwicklung.
Nicht mit der Frage, wer an allem schuld ist. Sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme.
Welche Aufgaben müssen zuverlässig erledigt werden? Welche Kompetenzen sind dafür notwendig? Wo liegen die Verantwortlichkeiten? Welche Prozesse funktionieren und welche verursachen regelmäßig Probleme?
Und wo bist du als Geschäftsführer selbst derjenige, bei dem Entscheidungen, Informationen und Aufgaben zusammenlaufen?
Es kann helfen, die verschiedenen Rollen und Aufgaben einmal sichtbar zu machen. Welche davon übernimmst du selbst? Welche könnten andere übernehmen? Welche Aufgaben bleiben liegen, weil niemand eindeutig verantwortlich ist?
Vielleicht stellst du dabei fest, dass du eine Führungskraft entwickeln musst. Vielleicht braucht dein Team klarere Prozesse. Vielleicht sind Mitarbeitergespräche überfällig. Oder vielleicht benötigst du jemanden, der dich dabei unterstützt, Prioritäten zu setzen und die Umsetzung verbindlich zu gestalten.
Die Lösungen können unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist, dass du nicht versuchst, jedes Problem durch noch mehr persönlichen Einsatz zu lösen.
Denn wenn alle wichtigen Entscheidungen an dir hängen, wird deine Zeit schnell zum begrenzenden Faktor für das gesamte Unternehmen.
Genau hier setzt der Beratungsansatz von 4D an
Wir von 4D betrachten Unternehmen nicht isoliert aus der Perspektive einzelner Probleme. Wir schauen auf das Zusammenspiel von Führung, Team, Kunden und den äußeren Rahmenbedingungen.
Denn eine Herausforderung im Team kann ihre Ursache an ganz anderer Stelle haben. Unklare Ziele können zu Konflikten führen. Fehlende Prozesse können Mitarbeitende ausbremsen. Eine überlastete Geschäftsführung kann Entscheidungen verzögern. Und mangelnde Verbindlichkeit kann dafür sorgen, dass gute Ideen nie umgesetzt werden.
Gemeinsam schaffen wir Klarheit darüber, wo die tatsächlichen Herausforderungen liegen und welche Veränderungen notwendig sind.
Dabei unterstützen wir Unternehmen beispielsweise dabei,
- Verantwortlichkeiten und Rollen zu klären,
- Führungskräfte in ihrer Wirksamkeit zu stärken,
- Zusammenarbeit und Kommunikation zu verbessern,
- Prozesse und Strukturen praxistauglich zu gestalten,
- Aufgaben sinnvoll zu verteilen und
- vereinbarte Veränderungen verbindlich umzusetzen.
Unser Ziel ist nicht, dass du noch mehr Aufgaben bewältigst. Unser Ziel ist, dass dein Unternehmen leistungsfähiger wird und Verantwortung dort übernommen wird, wo sie hingehört.
Mehr über unseren Ansatz zur Entwicklung von Führungskompetenzen erfährst du hier: Führungskompetenzen entwickeln.
Wie aus Erkenntnissen konkrete Veränderungen werden, zeigen wir dir auch auf unserer Seite Mehr Umsetzung mit 4D.
Mein Team funktioniert nicht! Wirklich?
Vielleicht gibt es in deinem Team tatsächlich Menschen, die nicht die erwartete Leistung erbringen. Vielleicht müssen Erwartungen klarer formuliert, Grenzen gesetzt oder personelle Entscheidungen getroffen werden.
Aber bevor du diesen Schritt gehst, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten.
Hast du die richtigen Menschen für die richtigen Aufgaben? Haben sie die notwendige Orientierung, die erforderlichen Fähigkeiten und einen klaren Verantwortungsbereich? Gibt es jemanden, der sich um die Entwicklung des Teams kümmert? Und hast du deine eigene Rolle so organisiert, dass du dich auf die Aufgaben konzentrieren kannst, bei denen du den größten Unterschied machst?
Führung bedeutet nicht, alles selbst zu erledigen. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, Prioritäten zu setzen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass andere erfolgreich arbeiten können.
Du musst nicht der beste Marketingexperte, der beste Personaler, der beste Finanzverantwortliche und die beste Führungskraft gleichzeitig sein.
Du musst erkennen, welche Aufgaben das Unternehmen braucht, wer sie übernehmen kann und was notwendig ist, damit die Umsetzung gelingt.
Vielleicht muss nicht dein Team ausgetauscht werden. Vielleicht muss sich zunächst etwas an der Art verändern, wie dein Unternehmen geführt und organisiert wird.
Und genau dort kann die Entwicklung beginnen.
Du möchtest dein Unternehmen wirksamer aufstellen?
Wir von 4D unterstützen Unternehmer und Führungskräfte dabei, Klarheit zu schaffen, Verantwortung sinnvoll zu verteilen und aus guten Erkenntnissen konkrete Veränderungen zu machen.
Gemeinsam finden wir heraus, wo dein Unternehmen steht und welche nächsten Schritte wirklich etwas bewirken.
4D Beratungs GmbH & Co. KG
Vom Kennen zum Können.
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